Tagebuch einer Pilgerreise

In 105 Etappen bis ans Ende der Welt

Was hat mich dazu bewogen, den Jakobsweg zu gehen?

Natürlich habe ich das Buch von Hape Kerkeling „Ich bin dann mal weg“, zwar nicht gelesen aber als Hörbuch, gehört. Für mich war es jedoch nichts anderes als ein unterhaltsamer Reisebericht, der für mich kein Grund war, den Jakobsweg zu gehen.
Konkreter wurde es, als ich den Vortrag eines Pilgerbegleiters hörte, der bereits mehrfach den Weg von zu Hause bis „an das Ende der Welt“ gegangen war. Die leuchtenden Augen und seine Begeisterung beim Vortrag weckten auch in mir eine Sehnsucht, diesen Weg auf mich zu nehmen. 
Hinzu kam eine berufliche Umbruchsituation, in der ich die Zeit als gekommen ansah, Altes hinter mir zu lassen und einen neuen Weg einzuschlagen. Dafür sollte mir der Jakobsweg eine neue Perspektive geben.
Bei der Deutschen Jakobusgesellschaft in Aachen bestellte ich mir einen Pilgerausweis und eine Jakobsmuschel für den Rucksack.

Ich hatte gerade einen Arbeitsplatzwechsel hinter mir, da hielt ich den Zeitpunkt für gekommen. Ich musste dann mal weg.
Als ich am Gründonnerstag 2014 meinen letzten Arbeitstag hinter mich gebracht hatte, packte ich den Rucksack und begann meinen Jakobsweg am frühen Karfreitagmorgen, am 18.04.2014 bei strömendem Regen von meinem zu Hause.
Dass ich mich ausgerechnet an einem Karfreitag auf den Weg machte, war kein Zufall. Im Nachhinein muss ich erkennen, dass dieser Weg zu meinem persönlichen Kreuzweg wurde.

 

Mein Pilger-Tagebuch

Von meiner ersten Etappe an bis zur Ankunft in Finisterre habe ich Tagebuch geschrieben und meine ganze Pilgerreise in unzähligen Bildern festgehalten.
Anfangs war es für mich nicht ganz einfach, zu entscheiden, was ich überhaupt aufschreiben sollte. 

Ich hielt mich erst einmal an die Fakten, an Uhrzeiten für Start, Pausen und Ankunft. Die ersten Aufzeichnungen waren daher meist stichwortartig und im Nachhinein nicht immer vollständig nachzuvollziehen.
Meine Erlebnisse, Eindrücke und Gefühle, die ich auf den Etappen und nach einem Pilgertag hatte, waren nicht immer ganz einfach, in Worte auszudrücken und zu formulieren, doch mit der Zeit bekam ich darin immer mehr Übung.

Ich hatte mir vorgenommen und im Laufe der Zeit auch angewöhnt, das Tagebuch innerhalb eines Jahres abzutippen, um alles unverfälscht zu beschreiben und um zu vermeiden, dass all die wunderbaren Erlebnisse zu sehr verblassten. Immer wieder habe ich es mir dennoch erlaubt, früher formulierte Texte zu korrigieren, wenn mir diese im Nachhinein zu sperrig oder nebensächlich erschienen.

In einer nächsten Phase lernte ich es immer besser, meine Notizen gleich im Anschluss einer Tagesetappe auszuformulieren, was natürlich viel zeitintensiver war. Diese Zeit hatte ich auf meinem Weg bis Le Puy en Velay, da ich dort häufig allein in den Unterkünften war und es kaum andere Pilger gab, mit denen ich mich hätte unterhalten können.
Ab der Via Podiensis wurde das schnell anders. Auf einmal waren da 30, 40, 50 und noch mehr Pilger in einer Unterkunft. Ständig war ich in Gemeinschaft mit anderen Pilgern. Da wurde es oft knapp mit dem Tagebuch schreiben. Manchmal musste ich drei oder vier Tage nachholen, weil ich zum Schreiben kaum Zeit gefunden hatte.
Ich versuchte nun eine Kombination aus Stichworten und formulierten ganzen Sätzen und hatte bald gute Übung darin.
Auch in meiner Art zu schreiben habe ich mich auf einen Weg begeben, der noch nicht zu Ende ist.

Erfahren Sie in der nächsten Folge, wie es mir auf meiner ersten Jakobsweg-Etappe ergangen ist.

Viel Spaß beim Lesen.
 

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