Tagebuch einer Pilgerreise

In 105 Etappen bis ans Ende der Welt - Folge 1

Karfreitag, 18.04.2014               1. Etappe

Kirchheim unter TeckNeckartailfingen…………….……………………………………23,5 km

Um 08.15 Uhr war der Start meines Jakobsweges vor der eigenen Haustür und bei Regen. Es hatte mich in den vergangenen letzten Tagen stark umgetrieben und ich musste mich jetzt unbedingt auf den Weg machen. Zuerst ging es über den Milcherberg auf dem Feldweg nach Dettingen/Teck und von dort in den Talwald. Es war ungefähr 9.45 Uhr, als ich in den markierten Jakobsweg einbog. Freude erfüllte mich, denn ich war jetzt auf dem Weg, auf meinem Jakobsweg.

Meine erste Rast machte ich vor dem Reiterhof im Tiefenbachtal, las Jakobus 1 und versuchte mich einzustimmen, doch waren meine Freude und Aufregung so groß, dass es mir nicht richtig gelang, mich zu konzentrieren. Vor Frickenhausen kam ich an einem Jakobsbrunnen vorbei, auf dem zu lesen war: „Quo vadis“ (wohin gehst du). Mein Ziel war klar.

Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen und der Weg war etwas abgetrocknet. Um 11.15 Uhr erreichte ich Frickenhausen.
Kurz vor 12 Uhr machte ich Rast im Wald zwischen Frickenhausen und Großbettlingen. Ich rief bei meiner ersten Pilgerherberge „Casa del Neckartal“ in Neckartailfingen an und buchte meine Übernachtung. Die Strecke erschien mir unendlich lang. Ich war bereits so lange gegangen und es waren immer noch 2½ Stunden bis zu meinem Tagesziel.

In Großbettlingen verlief ich mich gleich zweimal. Es war am Anfang meines Jakobsweges noch nicht so einfach, zwischen all den anderen Wandersymbolen, blauen Farbmarkierungen und Aufklebern auf Laternenmasten, Verkehrsschildern, Zäunen und Häusern die Jakobswegsymbole zu entdecken. Der Mörickeweg und der Jakobsweg waren nun teilweise identisch.

Es fing wieder an zu regnen. Um kurz vor 14 Uhr war dann Neckartailfingen in Sicht. Zur Herberge „Casa del Neckartal“ war es noch ein ganzes Stück. Mir taten schon die Hüften weh und ein normales Gehen war mir nicht mehr möglich. Was denken wohl die Leute, die mich jetzt so sehen, dachte ich mir. Ein Zweifel darüber, ob ich den Weg unter diesen Bedingungen tatsächlich gehen möchte, kam jedoch keine Sekunde auf.

Um 14.15 Uhr erreichte ich schließlich mein Ziel. Der „Herbergsvater“ zeig-te mir mein Zimmer unter dem Dach. Es war alles sehr improvisiert einge-richtet. Das Zimmer war ausgestattet mit einem Bett, einem kleinen Tisch-chen und zwei Stühlen, einem Kühlschrank und, ganz wichtig, einem Wasserkocher zum Tee kochen sowie einer Kaffeemaschine.

Nachdem ich abgelegt hatte, zog ich meine Wanderkleidung aus und legte mich aufs Bett, wo ich erst einmal vor Erschöpfung einschlief. Im Badezimmer gab es eine Sitzbadewanne mit Duschvorrichtung, die ich anschließend nutzte. Ich war eigentlich ganz froh, dass ich nach diesem harten ersten Tag dazu sitzen konnte.

Um 16 Uhr ging ich, trotz Schmerzen, zum Stadtkern, um mir in der Martinskirche den Pilgerstempel abzuholen. Beim Italiener ging ich Abendessen und gönnte ich mir ein Johannisbeerschorle, einen großen Salat und Spaghetti Vongole. Wegen meinen Hüftschmerzen kam ich nur mit großer Mühe zurück zur Herberge.

Jetzt war ich also auf dem Jakobsweg und ich war fest entschlossen, dass es trotz der Schmerzen am nächsten Morgen weiter gehen müsse.

Nachdem ich Tagebuch geschrieben hatte, telefonierte ich noch mit Birgitt. Danach kochte ich mir Tee, den ich zum Abendprogramm im Fernsehen trank. Ich konnte mich allerdings nicht mehr darauf konzentrieren und ständig fielen mir die Augen zu. Wegen starken Hüftschmerzen und Muskelkrämpfen schlief ich sehr unruhig und wusste bald nicht mehr, wie ich liegen sollte, doch irgendwie fand ich doch noch etwas Schlaf.

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