Geschichte des Jakobsweges

Seit dem 6. Jahrhundert gibt es Hinweise darauf, dass der Apostel Jakobus (Sohn des Johannes) nach dem Tode Jesu in Spanien missioniert habe und auf Befehl des König Herodes geköpft worden sei.
Sein Leichnam sei von seinen Jüngern nach Galicien gebracht und dort an einem unbekannten Ort bestattet worden. Lange war die Begräbnisstelle unbekannt.

 

In einer Sternenerscheinung wurde jedoch der Eremit Pelayo (Pelagius von Asturien) um 820 an das Grab des Apostels Jakobus geführt.
Alfonso II, damals König von Asturien, kam als erster Pilger aus Oviedo an die Fundstelle, dem sogenannten „Sternenfeld“ oder Campus Stellae (daher Compostela), und ließ dort eine Kirche errichten.

 

Ab 1078 wurde an dieser Stelle auf den Fundamenten der Vorgängerkirche mit dem Bau der Kathedrale von Santiago de Compostela begonnen. Ihre gesamte Bauzeit betrug etwa 133 Jahre.

 

Im 11. bis 13. Jahrhundert erlebte der Jakobsweg seine Blütezeit. Damals kamen täglich bis zu 1.000 Pilger aus ganz Europa ans Grab des Jakobus.
Die Pilgerwege nach Jerusalem waren in der Zeit der Kreuzzüge zu unsicher geworden.
Im Gegensatz zu den Muslimen, wurde es den Christen im Mittelalter nicht verordnet zu pilgern, doch oft trieb sie die Angst vor Fegefeuer und Hölle auf die Pilgerwege.

Die Pilger in der damaligen Zeit suchten Vergebung für ihre Sünden, die sie sich am Grab des Apostels Jakobus erhofften. Als Bußpilger entsprach ihr Pilgerweg mit seinen Strapazen dem Leidensweg Christi.
Andere wiederum pilgerten ans Grab des Apostels, um Heilung von Krankheit für sich oder einen Familienangehörigen zu erbitten.
Auch gab es Wohlhabende, die einen Pilger dafür bezahlten, dass er nach Santiago pilgerte und dort für sie eine Messe lesen ließ. Beliebt war ebenfalls die Gelübde-Pilgerschaft z.B. als Dank für die Heilung von einer Krankheit.
Aus welchem Grund auch immer, sich auf diese Reise zu machen war mit vielen Risiken verbunden, die nicht wenigen das Leben kostete. Im Gegensatz zu heute bedeutete eine Reise zu unternehmen einen großen Kraftakt und es ist kein Zufall, dass das Englische Wort „to travel“ (reisen) vom Wortstamm her dem Französischen „travailler“ (arbeiten, sich mühen) entspricht.

 

Im 12. Jahrhundert wurde in der Amtszeit von Papst Calixt II der "Codex Calixtinus" vermutlich von Aymeric Picaud, einem Pilger aus Vézelay in Frankreich, verfasst.
Dieser erste Pilgerführer beschreibt Routen, Regionen, Land und Leute und gibt praktische Ratschläge für die Pilgerschaft.
Auf ihrem Weg gab es für die Pilger der damaligen Zeit die Möglichkeit, in den Kathedralen die Leichname verschiedener Heiliger und die Reliquien zu besuchen.
Auch für die Pilger von damals galt: „der Weg ist das Ziel“. Wenn man schon die Strapazen des Weges auf sich nahm, dann musste es sich auch wirklich lohnen.
Niemand konnte sich sicher sein, dass er wieder heil nach Hause kam. Die einfachen Menschen im Mittelalter brauchten Fürsprecher, die ihre Anliegen einem Mächtigeren zuführten. Aus Ehrfurcht wurde dieser nie selbst um etwas gebeten. So war es auch im Glauben. Die Heiligen waren für die Menschen Fürsprecher vor Gott.

 

Ab dem 16. Jahrhundert fand die erste Pilgerbewegung ihr Ende. Nicht ganz unschuldig daran war Martin Luther, der Pilgern mit dem Ablasshandel verglich und es als Narrenwerk bezeichnete. "Lauf nicht dahin, man weiß nicht, ob Sankt Jakob oder ein toter Hund daliegt", soll er einmal gesagt haben.
In Norwegen wurde das Pilgern 1537 sogar als Irrlehre angeprangert und unter Todesstrafe gestellt.

 

In den 60er Jahren kamen erstmals wieder religiös motivierte Pilger, v.a. aus Frankreich, nach Spanien. Franzosen und Spanier waren aufgrund des Krieges verfeindet und deshalb war es damals für einen Franzosen nicht so leicht, nach Spanien zu kommen.
Mit einem Pilgerausweis allerdings wurde es ihm gestattet.

 

In den 70er Jahren, nach dem Tode Francos und der Verabschiedung der demokratischen Verfassung in Spanien, rückte der Jakobsweg wieder in das internationale Bewusstsein.

 

1982 und 89 besuchte Papst Johannes Paul II Santiago.

 

1993 wurde der Jakobsweg auf die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO gesetzt.

 

Jedes Jahr steigen die Pilgerzahlen und der Rekord vom Vorjahr wird im Jahr darauf übertroffen. 2018 waren es 327.378 Pilger, die sich in Santiago ihre Compostela abholten.

Seit der Veröffentlichung des Buches „Ich bin dann mal weg“ von Entertainer und Comedian Hape Kerkeling im Jahr 2006 stieg die Zahl der deutschen Pilger drastisch. Mittlerweile stehen die Deutschen nach den Spaniern und Italienern an dritter Stelle.

Im sogenannten „Heiligen Jahr“, wenn der Todestag des Heiligen Jakobus (25. Juli) auf einen Sonntag fällt, kommen weitaus größere Pilgerscharen ans Grab des Apostels, als in den übrigen Jahren.

Das letzte Heilige Jahr war 2010, die nächsten sind 2021 und 2027.

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