Jakobswege nach Santiago de Compostela

Die historischen Pilgerwege in Frankreich

Verschiedene französische Jakobswege führen an die Pyrenäen.

Mit 1.051 km ist die Via Turonensis, von Paris über Tours, der längste Weg,
 

gefolgt von der Via Lemovicensis mit 892 km, von Vezelay über Limoges.


Der bekannteste französische Jakobsweg ist die Via Podiensis mit 742 km von Le Puy en Velay über Conques, die ich 2016 und 2017 zurücklegte.


Die Via Tolosana mit 735 km, führt von Arles über Toulouse.


Pilger, die über die Schweiz kommen, sind 350 km auf der Via Gebennensis unterwegs. Sie verbindet Genf mit Le Puy.

 

Historische Pilgerwege in Spanien und Portugal

In Spanien ist der Hauptweg der Camino Francés mit seinen ca. 800 Kilometern.
Durchschnittlich sind hier jedes Jahr etwa 70% aller Pilger unterwegs.
 

Mit 15% liegt der 240 km lange Caminho Portugues an zweiter Stelle.
Er hat in den vergangenen Jahren stark an Beliebtheit zugenommen.


Der Küstenweg, oder Camino de la Costa, führt, wie der Name schon sagt, an der nordspanischen Atlantikküste entlang.
Seine Länge beträgt ungefähr 850 km und er wird von etwa 6% aller Pilger benutzt.


Der schönste aber auch anstrengendste Weg ist der Camino Primitivo, der auf Höhen bis zu 1.200 Metern führt und wunderbare Aussichten ermöglicht.
Primitivo kommt nicht etwa von „einfach“ sondern von „der Erste“.
Etwa 4% aller Pilger sind auf ihm unterwegs.


Die Via de la Plata beginnt in Sevilla und ist etwa 1000 Km lang.
Weil sie quer durch die iberische Halbinsel führt, ist sie im Sommer besonders heiß.
Etwa 5% aller Pilger wagen sich jedes Jahr auf diesen Weg.


Der Camino Finisterre ist der obligatorische Weg für echte Pilger.
30 km vor Finisterre zweigt ein weiterer Weg nach Muxia ab.
Für viele katholischen Pilger ein Muss und für alle anderen ein wunderschöner Ort
ebenfalls an der Küste, der es lohnt, besucht zu werden.

 

Jakobswege in Süddeutschland

Der Rothenburg-Rottenburg Jakobsweg gehört zu den Hauptrouten des Jakobsweges in Süddeutschland.
Er beginnt in Rothenburg ob der Tauber und führt über Schwäbisch Hall, Winnenden, Esslingen und Tübingen nach Rottenburg am Neckar.
Seine Länge beträgt fast 200 Kilometer.
Ab Rottenburg hat man die Wahl, entweder auf dem Jakobsweg durch den Schwarzwald nach Frankreich oder über die Schwäbische Alb nach Konstanz an den Bodensee und weiter durch die Schweiz.


Der Jakobsweg durch den Schwarzwald gehört zu den Hauptrouten in Süddeutschland und ist der Anschlussweg zum Rothenburg-Rottenburg Jakobsweg.
Seine Länge beträgt 180 Kilometer.
Er führt von Rottenburg über Horb und Loßburg ins wunderschöne Kinzigtal.
Der nun folgende Abschnitt über Alpirsbach nach Wolfach wird auch als Kinzigtaler Jakobsweg bezeichnet.
Es geht vorbei an historischen Höfen. Nach Gutach folgt ein steiler Aufstieg zum Landwassereck, der mit fast 800 Höhenmetern höchsten Stelle und wieder hinunter ins Elztal nach Elzach und Waldkirch.
Der Schwarzwald ist nun fast überwunden und es wird nun Richtung Freiburg immer flacher.
Nach Munzingen gelangt man auf den Tuniberg und geht mitten durch das Weinbaugebiet.
Hier kreuzt der Westweg von Pforzheim nach Basel.
In Oberrimsingen hat man die Rheinebene und bald auch den Rhein erreicht, an dessen Ufer der Weg einige Kilometer entlang führt, bevor es über die Rheinbrücke nach Fessenheim geht.

 

Der Jakobsweg über die Schwäbische Alb von Tübingen nach Konstanz an den Bodensee gehört landschaftlich zu den schönsten Jakobswegen in Süddeutschland.
Durch die Vielfältigkeit seiner Wegeprofile bekommt der Pilger einen Eindruck vom Reiz des weiteren Weges ans Apostelgrab.
Er hat eine Gesamtlänge von etwa 180 Kilometer.

Der erste Abschnitt, der Tübinger Jakobsweg, führt von Tübingen über Rottenburg nach Hechingen.

Dort beginnt der Beuroner Jakobsweg, der über Balingen, mit einem Aufstieg von 350 Höhenmetern hinauf zum Tieringer Hörnle führt. Der Pilger wird hier mit einer grandiosen Aussicht nach Balingen und ins Albvorland belohnt.
Der Weg hat eine Länge von etwa 75 km und führt durch das Obere Bäratal nach Nusplingen, weiter ins romantische Obere Donautal nach Beuron und wieder auf die Albhochfläche nach Meßkirch.

Der Hohenzollerische Jakobsweg führt ebenfalls über die Schwäbische Alb.
Er hat eine Länge von knapp 80 Kilometer und ist weniger anstrengend als der Beuroner Jakobsweg, da er von Hechingen durch die landschaftlich wunderschönen, tief eingeschnittenen Täler der Starzel, Fehla und Lauchert nach Sigmaringen und weiter nach Meßkirch führt.

Der anschließende Linzgauer Jakobsweg mit einer Länge von etwa 66 km führt von Meßkirch nach Wald.
Kurz darauf kann man die breite Silhouette der Schweizer Alpen erkennen.
Über Pfullendorf geht es weiter nach Überlingen. Hier wird der Bodensee mit der Fähreüberquert.
Bald schon erreicht man Konstanz. Pilger können ab hier ihren Weg durch die Schweiz über den sogenannten Schwabenweg nach Einsiedeln und weiter auf dem Innerschweizer Jakobsweg nach Genf fortsetzen.

 

Der Neckar-Baar Jakobsweg hat eine Länge von etwa 145 Kilometern und führt von Horb durch das Neckartal über Oberndorf nach Rottweil.
Dort mündet der Palmbühl Jakobsweg aus Balingen. Weiter führt der Neckar-Baar Jakobsweg über Villingen und Hüfingen nach Blumberg.
Hier kann die historische Sauschwänzlebahn beobachtet werden, wie sie ihre Runden dreht.
Nun geht es auf den Randen, eine waldreiche Region im schweizerischen Grenzgebiet. Man erreicht den Schlagbaum, der die Grenze markiert.
Es folgt der Abstieg nach Schaffhausen. Zwischen Schaffhausen und Einsiedeln besteht eine Verbindung.
Der Weg kann dann ebenfalls auf dem Innerschweizer Jakobsweg fortgesetzt werden.
Ebenfalls gibt es von Schaffhausen eine Verbindung über Basel nach Héricourt. Dieser Weg beginnt auch in Konstanz.

 

Der Oberschwäbische Jakobsweg ist knapp 160 Kilometer lang und beginnt am Ulmer Münster.
Ab Meersburg setzen die Pilger bis heute mit der Fähre über nach Konstanz, von wo aus der Schwabenweg nach Einsiedeln in der Schweiz beginnt.
Der Oberschwäbische Jakobsweg, dessen Fortsetzung durch die Schweiz führt, gehört zu den beiden Hauptrouten des Jakobsweges in Süddeutschland.

 

Jakobsweg durch das Elsaß und die Franche Comté nach Burgund

Der Jakobsweg durch das Elsaß nach Burgund ist etwa 470 km lang und führt ab Freiburg über Thann, Belfort und Beaune nach Cluny.
Er ist er der Anschlussweg zum Jakobsweg durch den Schwarzwald.
Empfehlenswert auf dieser Strecke sind der Besuch der Klöster von Acey und Citeaux, die Besichtigung des Hôtel Dieu in Beaune, ein Abstecher nach Taizé sowie die Besichtigung des Klosters Cluny.
In Gy hat man die Möglichkeit nach Vézelay auf die Via Lemovicensis abzubiegen.

 

Jakobsweg durch die Rhône-Alpes in die Auvergne

Auf der Fortsetzung des Weges von Cluny nach Le Puy en Velay, dem Beginn der Via Podiensis, sind knapp 320 km zurückzulegen.
Kurz nach Cluny gelangt man in die Region Rhône-Alpes. Hier warten Aufstiege auf über 900 Höhenmeter.
Hat man die Berge hinter sich gelassen, wird das Loire-Tal durchquert und man kommt in den Forez.
Nach Montbrison folgt ein Anstieg auf fast 1200 Höhenmeter auf den Montarcher.
Von hier hat man eine herrliche Aussicht auf die Berge der Auvergne. Nun ist es nicht mehr weit bis Le Puy.

 

Wie findet man den Jakobsweg?

In der Regel zeigt die gelbe Jakobsmuschel auf blauem Grund an, dass man sich auf dem Jakobsweg befindet. Die einzelnen Strahlen symbolisieren die vielen Wege, die alle nach Santiago de Compostela führen. Der Pilger hat damit auch die Richtung, in die er gehen muss.

 

Führen die Strahlen oben zusammen, muss man geradeaus gehen. Führen sie links zusammen, muss man sich nach links wenden, führen sie rechts zusammen, geht man nach rechts.

 

Auf der Via Podiensis in Frankreich entspricht der Jakobsweg dem Fernwanderweg GR 65. Man folgt dort dessen Wegzeichen, der weißen und roten Linie. Stehen diese quer übereinander, geht man einfach geradeaus weiter, knickt die untere weiße Linie nach links ab, geht man links, knickt sie nach rechts ab, geht man nach rechts. Sieht man die weiße und rote Linie über Kreuz, so heißt das, man ist falsch abgebogen und man muss umkehren, denn dieser ist der falsche Weg. Anfangs muss man sich an die Wegzeichen gewöhnen und es kann passieren, dass man plötzlich auf Abwege gerät. Das ist v.a. dann der Fall, wenn man mit Anderen im Gespräch ist oder man sich mit sich selbst oder mit Gott in Zwiesprache befindet oder aber, wenn man zu schnell unterwegs ist und weder nach links noch nach rechts schaut. Dann muss man umkehren und die Abzweigung finden.

Anders als auf Wanderwegen, befindet sich die Muschel nur auf der eine Seite des Baumes, Pfostens oder des Gebäudes, so dass man sich beim Zurückgehen immer wieder umdrehen muss. Nachdem man sich einige Male verlaufen hat, kann man erkennen, dass es, wie im richtigen Leben auch, wichtig ist, auf die Wegzeichen zu achten. So kann man z.B. Gott dafür danken, wenn man nach einigem Suchen wieder eines bemerkt.

Im Französischen heißt Gott „Seigneur“, was so ähnlich klingt wie Signeur. „Signe“ das ist ein Zeichen. In diesem Wortspiel könnte man erkennen, dass Gott es ist, der uns durch sein Wort Wegzeichen setzt, damit wir auf dem rechten Weg bleiben.

 

Auch in Spanien findet man die Jakobsmuschel als Wegzeichen. Man kann sich allerdings nicht immer auf die angegebene Richtung verlassen. Unmissverständlicher ist der gelbe Pfeil, der auf Straßen, Steinen, Mauern, Häusern und sogar auf Mülltonnen aufgemalt oder aufgeklebt ist. Bei Letzteren besteht die Gefahr, dass sie falsch herum hingestellt wurden und man in die verkehrte Richtung geht. In Galicien findet man Wegsteine mit der Jakobsmuschel, einem gelben Pfeil und der auf den Meter genau berechneten Entfernung bis zur Kathedrale in Santiago. Diese stehen oft im Abstand von nur wenigen hundert Metern.

Auf den letzten Einhundert Kilometern braucht es, v.a. im Sommer, keine Wegzeichen mehr. Man folgt dann nur den Pilgermassen und kommt mit 100 prozentiger Sicherheit in Santiago an.

 

Immer wieder wird gefragt, wo der Jakobsweg beginnt. Für viele Pilger beginnt er im kleinen Örtchen Saint Jean Pied de Port, am Fuße der Pyrenäen. Für die Franzosen beginnt er in Le Puy en Velay in der Auvergne. Aber eigentlich beginnt der Jakobsweg aber immer an der eigenen Haustür.

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